EUGH hat das US-Privacy Shield für ungültig erklärt – Handlungsempfehlungen für KMU.

Was müssen Webseitenbetreiber und Nutzer von sonstigen Cloud-Diensten US-amerikanischer Anbieter nun tun, nachdem der EUGH das US-Privacy Shield (im heutigen Urteil vom 16.07.2020 in der Rechtssache Max Schrems gegen Facebook) für ungültig erklärt hat?
Geschäftliche Nutzer von Clouddiensten z.B. Webseitenbetreiber von WordPress-Webseiten oder Unternehmen, die Cloud-Dienste US-amerikanischer Anbieter einsetzen, sollten nun prüfen, ob hinsichtlich der Übermittlung personenbezogener Kunden- und Mitarbeiter- oder auch nur Nutzerdaten von Nutzern der Webseite, Data Privacy Agreements oder „Data Privacy Addendum“ vorliegen, die sie mit den Anbietern abgeschlossen haben sollten und ob diese inhaltlich die Vorgaben der EU-Kommission zur Verwendung von EU-Standardvertragsklauseln (Data Controller to processor EU-Data Standard Model Clauses) nach Art. 45 DSGVO beinhalten. Denn diese Standardvertragsklauseln hat der EUGH ausdrücklich als gültig bestätigt.
Grund: Der EUGH hat mit Urteil von heute 16.07.2020 in der Rechtssache Max Schrems gegen Facebook verkündet, dass das US-Privacy Shield unwirksam ist und kein angemessenes Datenschutzniveau im Sinne von Art. 46 DSGVO gewährleistet. Im wesentlichen hat er das – zu Recht – damit begründet, dass die USA dieses Abkommen nicht einhalten, insbesondere EU-Bürger keinen wirksamen Rechtsschutz in den USA zur Wahrung ihrer Datenschutzrechte nach der DSGVO haben, vor allem ist der nach dem US-Privacy Shield Abkommen zugesicherte Ombudsmann tatsächlich nicht wirklich arbeitsfähig und erreichbar für EU Bürger. Das Urteil ist nicht überraschend, weil schon lange u.a. auch vom EU-Parlament diese Missstände angeprangert und moniert wurden.
Das bedeutet, wer Clouddienste U.S.-amerikanischer Anbieter nutzt und darin Nutzer IDs, IP-Adressen, und ähnliche personenbezogene Daten von den Cloud Diensten verarbeiten lässt, benötigt Verträge zum Datenschutz, die die EU-Standardvertragsklauseln (EU-Data Processing Model Clauses Controller to Processor) bei Auftragsverarbeitungen im Sinne von Art. 28 DSGVO oder Processor to Processor Model Clauses bei sog. Gemeinsamen Verantwortlichen nach Art. 26 DSGVO verwendet.
Den Abschluss der entsprechenden Verträge, die nach der DSGVO auch elektronisch erfolgen können, etwa über AGB, müssen Sie z.B. als Webseitenbetreiber oder Arbeitgeber zuverlässig als verantwortliche Stelle nach Art. 5 DSGVO nachweisen können. Die US-Anbieter ordnen Sie nämlich nicht unbedingt als EU-Kunde ein, wenn Sie die entsprechenden Zusatzvereinbarungen nicht abgeschlossen haben, weil es darauf ankommt, wessen personenbezogene Daten Sie nach Ihrem Geschäftsmodell zu welchen Zwecken verarbeiten. Da die USA weitestgehend und Südamerika sowieso keine angemessenen Datenschutzgesetzte hat (außer Kalifornien und Canada) wird von vielen US-Anbietern ohne dokumentiertem Abschluss der entsprechenden Zusatzvereinbarungen diese auch nicht aktiviert.
Praxistipp: Sie sollten nun zur Vermeidung von Abmahnungen oder hohen Bussgeldern wegen Verstößen gegen die Vorschriften des Datenschutzrechtes für die Internetseite und sonstige Prozesse, bei denen US-Clouddienste in Ihrem Unternehmen zum Einsatz kommen, die Liste Ihrer verwendeten US-Anbieter z.B. anhand Ihrer Datenschutzhinweise und Verarbeitungsverzeichnisse durchgehen und prüfen lassen, ob für die Dienste vom Anbieter die entsprechenden Data Privacy Addendums oder sonstige entsprechende Data Processing Terms vorliegen, die die Voraussetzungen der EU-Kommission zu den o.g. Angemessenheitsbeschlüssen erfüllen, die – soweit noch nicht geschehen – abschließen und das dokumentieren. Ferner sollten Sie Ihre Verarbeitungsverzeichnisse sowie Datenschutzhinweise gemäß DSGVO anpassen und die entsprechenden Passagen, die auf das nicht mehr gültige EU-Privacy Shield nach Art. 46 DSGVO z.B. in Ihren Datenschutzhinweisen rekurrieren, abändern. Viele US-Anbieter wie z.B. Automattic Inc. mit Sitz in den USA – WordPress.com stellen entsprechende Data Privacy Addendums bereits zur Verfügung, weil diese Entscheidung des EUGH absehbar war.
Falls der US-Cloud Anbieter keine rechtmäßigen Vertragsklauseln der beschriebenen Art anbietet, ist zu prüfen, ob ggfs. Ausnahmetatbestände z.B. zum Schutze lebenswichtiger Interessen der betroffenen Person greifen nach Art. 49 DSGVO Amtliche Bussgelder aufgrund von DSGVO-Verstössen – soweit teilweise amtlich bestätigt oder veröffentlicht – gibt es hier https://www.enforcementtracker.com/ oder hier https://www.dsgvo-portal.de/dsgvo-bussgeld-datenbank.php

#DSGVO #Schadenersatzansprüche betroffener Händler und Kunden bei Datenpannen?

Hier am aktuellen Beispiel zur #Datenpanne bei #Mastercard Priceless Specials vom August 2019. Jetzt nehmen die Schadenersatzverfahren Fahrt auf, weil das Programm endgültig eingestellt wurde.

Ca. 90.000 Teilnehmer des Mastercard Priceless Specials Programms waren im Sommer 2019 betroffen von einer Datenpanne, weil die Datenbank offen mit Namen, Anschrift, Mobilfunknummer, E-mail, Geburtsdatum und Kreditkartendaten im Internet abrufbar waren. Mastercard hatte die Datenpanne unweigerlich offiziell bestätigen müssen und sich entschuldigt, die Plattform mit Bonusprogramm „vorläufig“ und inzwischen endgültig deaktiviert, aber eine Verantwortlichkeit für die Datenpanne pauschal abgestritten. Die Aufsichtsbehörden in Hessen (HBDI) – hier die Pressemitteilung des HBDI vom 23.08.2019 mit den späteren updates – und die federführende Aufsichtsbehörde des datenschutzrechtlichen Untersuchungsverfahrens in Belgien DPA in Brüssel – https://www.dataprotectionauthority.be/contact-us -erhielten zahlreiche Beschwerden Betroffener über unzureichende Auskünfte. Aber bis heute hat Mastercard nicht viel zur Aufklärung über die Verantwortlichkeit beigetragen, obwohl die Datenpanne nach Art. 82 III DSGVO indiziert, dass Mastercard für den Datenschutz verantwortlich ist oder ihn ermöglicht hat, wenn und soweit Mastercard als Verantwortliche nicht nachweist, in keiner Weise für den massiven Verstoß durch diesen Datenpanne ein Verschulden zu tragen. Das ist bisher nicht geschehen und offenbar ist Mastercard weder in der Lage noch gewillt, dass Programm wie bisher angekündigt, wieder datenschutzkonform zu aktivieren. Priceless ist gekündigt und wurde zum 4.7.2020 endgültig beendet. Der Schadenersatz nach Art. 82 I DSGVO umfasst anders als nach früherem Datenschutzrecht nunmehr neben den Vermögensschäden auch immaterielle Schäden, die Betroffene durch den Datenschutzverstoß erleiden, den Mastercard – dafür sprechen einige Indizien – mitverschuldet haben dürfte. Wenn die Plattform nicht wieder aktiviert werden kann, spricht das für fundamentale Sicherheitsmängel des Bonusprogramms und der beteiligten Systeme, die einen Verstoß gegen die Pflichten nach Art. 5, 24 und 32 DSGVO durch Mastercard wahrscheinlich machen.

Am 4.6.2020 schließlich kündigte Mastercard seinen Kunden den Vertrag über das Bonusprogramm mit Wirkung zum 4.7.2020 auf und kündigte Infos an, wie die gesammelten Coins dann nun eingelöst werden können. Diese liegen bisher nach meinen Informationen noch nicht vor.

Derzeit laufen einige Auskunfts- und Schadenersatzverfahren Betroffener gegen Mastercard beim zuständigen Amts- bzw. Landgericht (je nach geforderter Summe und Streitwert). Neben den entgangenen Coins hatten einige Betroffene weitere Schäden wie gesperrte Kreditkarten, Kreditkartenbetrug, nicht blockierbare Spamanrufe mit gefakten Rufnummern, belästigende Spamnachrichten auf das Mobiltelefon oder Spammails, Identitätsdiebstahl d.h. z.B. das Erstellen von Fakeshops mit der Identität der illegal veröffentlichten Daten der Teilnehmer, Inkassorechnungen und Mahnungen von getäuschten Onlinehändlern, bei denen mit der gestohlenen Identität eingekauft wurde und weitere Folgeschäden, insbesondere auch der sog. Emotional Distress, den Opfer von solchen massiven Datenschutzverstößen erleiden. Die Betroffenen haben in vielen Fällen auch Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde eingelegt, aber die Hessische Aufsichtsbehörde hat mit Verweis auf die anhängigen Schadenersatzklagen in den mir vorliegenden Fällen das Verfahren ausgesetzt und verweist auf die belgische federführende Aufsichtsbehörde, obwohl fast nur deutsche Kunden betroffen sind und daher die Schadenersatzklagen hier nach § 44 I BDSG am Gerichtsstand der deutschen Niederlassung in Frankfurt am Main geführt werden und hinsichtlich der Feststellung der Datenschutzverstöße und Ahndung der Verletzung u.a. der Auskunftsansprüche der Betroffenen der Hessische Datenschutzbeauftragte zuständig ist. Nach dem One-Stop-Prinzip der DSGVO für grenzüberschreitende Datenpannen hat hier die Belgische Datenaufsichtsbehörde die Federführung übernommen – vgl. deren Pressemitteilung zur Datenpanne von Mastercard Priceless Specials. Es kommt daher auch eine Untätigkeitsbeschwerde nach 3 Monaten Untätigkeit gegen die Datenschutz-Aufsichtsbehörde nach Art. 78 II DSGVO in Betracht. Wir werden in Belgien zum Stand des Verfahrens nachfragen und unseren Mandanten, die wir betreuen, berichten. Aber unklar ist, ob unter diesen Umständen diese Aussetzung des Beschwerdeverfahrens bis zum rechtskräftigem Abschluss des gegenständlichen zivilgerichtlichen Gerichtsverfahren und Verweisung auf die belgische Aufsichtsbehörde DSGVO konform ist. Der HBDI verweist auf Nachfrage als Rechtsgrundlage auf § 17 GVG analog – aber zum einen geht die DSGVO vor und ausserdem ist fraglich, ob das sinnvoll ist. Nach Art. 78 DSGVO soll nämlich unbeschadet von anderen Rechtsmitteln vor den Gerichten auch gerade verhindert werden, dass Betroffene auf ausländische Behörden und Gerichte verwiesen werden, um ihre Betroffenenrechte effektiv sowohl über Beschwerdeverfahren bei den Aufsichtsbehörden als auch Zivilklagen vor den Gerichten verfolgen zu können.
Man kann gespannt sein, ob die Betroffenen die Kündigung von Mastercard ohne Entschädigung für den Schaden so hinnehmen werden oder erfolgreich ihre Ansprüche vor den Gerichten durchsetzen können. Anders als früher sind nach der DSGVO die Bußgelder und Schadenersatzbeträge viel höher, denn nach Erwägungsgrund 146 müssen sie abschreckend und wirksam sein und müssen bei den Verbraucherrechten Wertungswidersprüche vermieden werden – so auch zuletzt der BGH mit Urteil vom 6.6.2019 – I ZR 216/17 – zu unbegründeten Zahlungsaufforderungen aufgrund unbestellten Waren wegen Identitätsdiebstahls. Allein für die Verletzung der Auskunftspflichten hatte kürzlich das Arbeitsgericht Düsseldorf den Arbeitgeber bereits 5.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Das Urteil ist zwar nicht rechtskräftig, weil das Berufungsverfahren anhängig ist, aber die Tendenz ist klar: Die Schadenersatzklagen werden von den Unternehmen ernst zu nehmen sein. Unternehmen sollten daher DSGVO-Auskunftsanfragen pflichtgemäß beantworten und sich bei der Digitalisierung auch nachhaltig um die Einhaltung der Pflichten zur rechtmäßigen sicheren Datenverarbeitung nach der DSGVO kümmern. Nur wenn die Unternehmen das proaktiv fortlaufend tun, sind wir alle vor den massiven Schäden geschützt, die Datenpannen für Betroffene und beteiligte Unternehmen auslösen. Wertungswidersprüche würden auch zu den Bussgeldern entstehen, die die DSGVO in Höhe von bis zu 4 % des weltweiten Umsatzes der unternehmensgruppe ansetzt – diese Grundsätze und ein DSGVO Verstoß bei 500 Gewinnspielteilnehmern haben nach einer Pressemitteilung der Behörde zuletzt z.B. bei der AOK zu einem Bußgeldbescheid des Landesdatenschutzbeauftragten von Baden-Württemberg von 1.240.000 Euro geführt.
Interessant und bisher ungeklärt ist auch die Frage, ob Schadenersatzansprüche nur die betroffenen Kunden des Mastercard Priceless Specials Programm haben oder auch die in Mitleidenschaft gezogenen Händler, bei denen dann mit gefälschten Kreditkarten und Identitäten eingekauft und geliefert wurde. In Artikel 82 heißt es nämlich, dass jedermann, der durch den Datenschutzverstoß des Verantwortlichen einen Schaden erleidet, Anspruch auf Ersatz des materiellen und immateriellen Schaden gegen den Verantwortlichen hat. Dessen Verschulden ist dabei nach Art. 82 III DSGVO indiziert. Nach Erwägungsgrund 146 heißt es dazu: ….Satz 3: „Der Begriff des Schadens sollte im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs weit auf eine Art und Weise ausgelegt werden, die den Zielen dieser Verordnung in vollem Umfang entspricht. 4Dies gilt unbeschadet von Schadenersatzforderungen aufgrund von Verstößen gegen andere Vorschriften des Unionsrechts oder des Rechts der Mitgliedstaaten. 5Zu einer Verarbeitung, die mit der vorliegenden Verordnung nicht im Einklang steht, zählt auch eine Verarbeitung, die nicht mit den nach Maßgabe der vorliegenden Verordnung erlassenen delegierten Rechtsakten und Durchführungsrechtsakten und Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten zur Präzisierung von Bestimmungen der vorliegenden Verordnung im Einklang steht. 6Die betroffenen Personen sollten einen vollständigen und wirksamen Schadenersatz für den erlittenen Schaden erhalten. 7Sind Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter an derselben Verarbeitung beteiligt, so sollte jeder Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter für den gesamten Schaden haftbar gemacht werden. 8Werden sie jedoch nach Maßgabe des Rechts der Mitgliedstaaten zu demselben Verfahren hinzugezogen, so können sie im Verhältnis zu der Verantwortung anteilmäßig haftbar gemacht werden, die jeder Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter für den durch die Verarbeitung entstandenen Schaden zu tragen hat, sofern sichergestellt ist, dass die betroffene Person einen vollständigen und wirksamen Schadenersatz für den erlittenen Schaden erhält. 9Jeder Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter, der den vollen Schadenersatz geleistet hat, kann anschließend ein Rückgriffsverfahren gegen andere an derselben Verarbeitung beteiligte Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter anstrengen.“
Es spricht also auch der Wortlaut und der europarechtlich geltende Effektivitätsgrundsatz dafür, dass auch die geschädigten Händler Schadenersatzansprüche gegen Mastercard haben (vgl. z.B. so auch Paal in MMR 2020, 14f.).
Zur Höhe des Schadenersatzes für die immateriellen Schäden bei einem Datenbreach spricht nach vorherrschender Ansicht der Datenschutzexperten, dass dieser analog etwa der Faktorrechtsprechung bei Verletzung von Urheberrechten durch Filesharing (Beispiel OLG Frankfurt Az. 11 U 44/19: 50facher Wert des Einzelpreises der „Downloadversion“ des Computerspiels betrug fast 1.950 Euro und führte zu einem Schadenersatzurteil über 2.100 Euro) abhängig von der Dauer und dem Ausmaß der Datenpanne ein Vielfaches des Wertes der Daten als eine fiktive Lizenzgebühr als Schadenersatz zuzuerkennen ist. Gerade das unkontrollierbare der einfachen anonymen Weiterverbreitung über Filehoster und die enorme Ersparnis des Zeitaufwandes für die gewerblichen Betrüger durch offen im Internet erhältliche illegale Datenbanken führen ja zu den gezielten massenweisen Verwertung durch Hacking-, Erpressungs- und Betrugsattacken der Straftäter. Es ist also wichtig, daß diese Ansprüche effektiv verfolgt werden können und möglichst alle Betroffenen entschädigt werden.

Unterlassungsurteil des OLG Naumburg vom 07.11.2019 gegen Apotheker: Handel auf Amazon ohne Einwilligung in Gesundheitsdatenverarbeitung für Werbezwecke ist wettbewerbswidrig

Auf eine in 2017 ausgesprochene Abmahnung eines Apothekers gegen einen Wettbewerber, der auf Amazon Medikamente anbot, erging nun ein Unterlassungsurteil des OLG Naumburg gegen den Amazon Händler wegen fehlender Einwilligung in Verarbeitung von Gesundheitsdaten für Werbezwecke
(Volltext als pdf: OLG Naumburg, Urteile vom 07.11.2019 -9 U 6/19 und 9 U 39/18).
Das OLG Naumburg hat entschieden, dass ein Verstoß gegen die Vorgaben der DSGVO wettbewerbswidrig sei und Mitbewerbern ein Unterlassungsanspruch zustehe, wenn die verletzte Norm in der konkreten Fallkonstellation als Marktverhaltensregelung einzuordnen ist. Vorliegend ging es um die Verarbeitung von Gesundheitsdaten beim Verkauf von Medikamenten über Amazon Markteplace. Das Gericht hat einen Wettbewerbsverstoß durch Verletzung von Art. 9 Abs. 1 DSGVO angenommen, weil der Händler die Bekanntheit der Amazon Plattform für Werbezwecke ausnutze und für sich ausnutze, dass Amazon auf Grundlage der Gesundheitsdaten weitere Produktvorschläge macht und somit Rückschlüsse auf die sensiblen Krankheitsdaten des Kunden oder seiner Familie geschlossen werde, ohne die nach Art. 9 Abs. 1 DSGVO ausdrückliche Einwilligung. Diese Verarbeitung von Gesundheitsdaten zu Werbezwecken müsse zudem nach dem Berufsrecht laut Entschließung der zuständigen Apothekerkammer ausdrücklich und schriftlich erfolgen.
Der Senat schließt sich damit nunmehr als 2. OLG der Auffassung des Hanseatischen OLG Hamburg an (OLG Hamburg, Urteil vom 25.10.2018 – 3 U66/17), wonach Datenschutzverstöße unter Umständen abmahnbar sein können durch Wettbewerber, und zwar müsse nach Inkrafttreten der DSGVO die jeweilige Norm der DSGVO, gegen die verstoßen wurde, konkret darauf überprüft werden, ob gerade jene Norm eine Regelung des Marktverhaltens zum Gegenstand hat (OLG Hamburg a.a.O. Rn. 72 juris). Dies war hier bei Art. 9 Abs.1 DSGVO zu bejahen, wie das OLG sorgfältig ausgeführt hat.
Ferner hat unter IV. der Entscheidung das OLG Naumburg aber auch entschieden, daß ein Schadenersatzanspruch hier mangels Verschulden nicht zuerkannt wird. Ein möglicher Schadenersatzanspruch gemäß § 9 UWG und ein vorbereitender Auskunftsanspruch setzen ein Verschulden voraus. Angesichts der bisher noch nicht abschließend von der Rechtsprechung geklärten Rechtslage zum marktregelnden Charakter der DSGVO billigte der Senat dem Beklagten einen unvermeidbaren Verbotsirrtum gemäß § 17 S. 1 StGB analog zu.

Neue Termine Datenschutz-Workshop: Sind Sie fit für die Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO)?

Datenschutz-Workshop mit praktischen Tipps zur Umsetzung für KMU

Veranstaltungsort: D-61169 Friedberg (Hessen)

Ist Ihr Unternehmen und sind Ihre Mitarbeiter auf die ab 25.05.2018 gültige EU-Datenschutzgrundverordnung und die Begleitgesetze vorbereitet? Die Änderungen sind gravierend und machen die Umsetzung zur Chefsache in den Unternehmen. Aufsichtsbehörden der Länder haben teilweise bereits Fragebögen versendet, da sie anlaßunabhängig prüfen werden. Hervorzuheben sind dabei:

  • Rechenschaftspflicht und Einrichtung eines effektiven Datenschutzmanagementsystems
  • Organisation des Meldesystems bei Pannen und Informationsrechte der Betroffenen
  • Ausweitung der Betroffenenrechte einschließlich Vermögensschadenersatzansprüche mit Beweislastumkehr
  • drakonischen Erhöhung der Bußgelder nach Artikel 83 bei Verstößen in Höhe von bis 4 % des weltweiten Umsatzes im Unternehmensverbund oder 20 Mio. EURO
  • Haftung und Bußgelder nicht versicherbar

Laut aktueller Umfragen haben viele Unternehmen noch erhebliche Schwierigkeiten, die Vorgaben rechtzeitig richtig umzusetzen und bestehen noch viele Unsicherheiten. Wir wollen Ihnen helfen. Gerne machen wir auch inhouse-Workshops in Ihrem Unternehmen, sprechen Sie uns an.

Für eine praxistaugliche Anleitung und Tipps, wie ein effektives und rechtskonformes Datenschutzmanagement eingerichtet und fortlaufend effizient durchgeführt werden kann, referiert der langjährig erfahrene Datenschutzbeauftragte Peter Suhling aus Weinheim (suhling.biz). Er ist ISO 27001 Lead Auditor Managementsysteme, Datenschutzbeauftragter, KRITIS-Auditor.

>update 02.01.2018: Ferner vermittelt Thomas Novak, IT-Sicherheitsspezialist und Geschäftsführer der @one it GmbH (http://www.one-it.de) den Teilnehmern wichtiges aktuelles Sicherheits-Know-how zur Abwehr von Hacking-Angriffen auf Ihre Unternehmenssysteme in einer kurzen Präsentation mit dem Titel „Cyber Defense für Windows-Umgebungen im deutschen Mittelstand“.<

Für die rechtlichen Fragestellungen möchte ich aus anwaltlicher Sicht als Fachanwältin für IT-Recht aus meiner Praxis eine Einführung geben und berichten, was Unternehmer zu der Reform meines Erachtens wissen sollten. Anhand aktueller Beispiele will ich Sie bei der Umsetzung unterstützen. Anschließend bietet der Workshop in kleinem Teilnehmerkreis die Möglichkeit zu vertiefender Diskussion.

Termine:

Freitag, 02. Februar 2018, 15.00 Uhr bis ca. 17:30 Uhr (Anmeldung bis 19.01.2018) oder

Freitag, 16. März 2018, 15.00 bis ca. 17.30 Uhr (Anmeldung bis 02. März) abgesagt


Veranstaltungsort: Kanzlei Hagendorff, Am Straßbach 2 (Eingang Pfingstweide), 61169 Friedberg (Hessen)

Mindestteilnehmerzahl: 8 Teilnehmer

Teilnahmeentgelt 369 € zzgl. 19 % USt. je Teilnehmer, ab 2. Teilnehmer je Unternehmen 269 € zzgl.USt. inklusive Getränke

Zielgruppe: Datenschutzbeauftragte, Führungskräfte aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, Betriebsräte, Selbständige

Veranstaltet von Stefanie Hagendorff – it-fachanwaeltin.de

P.S. Bitte nutzen Sie diese Unterlagen für die Anmeldung: Sind Sie fit für die EU-DSGVO(T2+3)2